UIllrich Angersbach – Schuldenschnitt

 

Ullrich Angersbach: Schuldenschnitt in Griechenland?

Finanzexperte Ullrich Angersbach schreibt heute darüber, ob ein Schuldenschnitt in Griechenland helfen würde, die Krise zu überwinden.

Die Griechenlandkrise kommt nicht aus den Schlagzeilen


Die Griechenlandkrise ist wieder in den Schlagzeilen und es geht erneut um einen eventuellen Schuldenschnitt. Die Staatsschulden sind mit über 170% des BIP so hoch, dass sie nie wieder zurückgezahlt werden können.





Doch verglichen mit Japan ist Griechenland noch ein Musterknabe. Japans Staatsschulden betragen rund stolze 250% des BIP.





Doch warum ist Japan noch lange nicht pleite? Nun, die Zentralbank der Japaner, die Bank of Japan (BoJ), kauft im großen Stil japanische Staatsanleihen auf. Mittlerweile besitzt sie schon geschätzte 43% der ausstehenden Staatsschulden.



Ein Schuldenschnitt hilft gegen die Krise, meint Finanzexperte Ullrich Angersbach


Warum ist das Vorgehen der BoJ so interessant? Weil die Gewinne der Zentralbank wieder an die Regierung ausgeschüttet werden. Zahlt die Regierung also Zinsen an die BoJ, so werden sie – nach Abzug geringfügiger Kosten – umgehend wieder an die Regierung als Gewinn ausgeschüttet. Das gilt natürlich nur für die 43% der Staatsschulden, die von der BoJ mittlerweile aufgekauft worden sind. Wenn man es recht betrachtet, dann wird der japanische Staatshaushalt zurzeit nur mit den Zinsen auf die Anleihen belastet, die sich nicht in den Händen der BoJ befinden, also mit 57%. Nur diese zählen. Die restlichen Schulden sind faktisch erlassen bzw. stellen eine Art Schuldenschnitt dar.

Statt einer Schuldenquote von ca. 250% beträgt diese effektiv nur 57% von 250%, also nur rund 140%. Nach einer Hochrechnung von Sir Adair Turner in seinem Buch „Between Debt and the Devil“, Seite 228, sollen sich per Ende 2017 nur noch Staatsschulden in Höhe von geschätzten 65% des BIP außerhalb von staatseignen Institutionen wie der BoJ und des staatlichen Rentenfonds befinden. Und eine Schuldenlast von 65% bezogen auf das BIP ist sicherlich kein Problem, selbst wenn die Zinsen in Japan von heute ca. 0% wieder auf eine normale Größenordnung steigen würden.

Und was macht die Europäische Zentralbank? Auch sie kauft im großen Stil Staatsanleihen auf. Das macht sie nicht direkt, denn das ist ihr verboten. Doch sie kauft sie einfach von den Banken auf, die für den Ankauf von diesen Staatsanleihen nicht einmal eigenes Geld oder Sicherheiten benötigen, da diese Staatsanleihen nach den relevanten Bestimmungen als risikolos gelten.



Wenn die Aufkäufe von Staatsanleihen durch die EZB im gleichen Tempo weitergehen, wäre Deutschland schon in rund neun Jahren effektiv schuldenfrei und auch Griechenland wäre spätestens dann soweit faktisch entschuldet, dass die Restschulden kein Bonitätsproblem mehr darstellen würden.



Ein Bericht von Finanzexperte Ullrich Angersbach - Willkommen in der Welt der modernen Finanzalchemie!

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung von Ulrich Angersbach dar. Er gibt lediglich die Meinung von Ulrich Angersbach wieder. Für die hier dargestellten Fakten wird von Ulrich Angersbach keinerlei Haftung übernommen.